N. Ammermann
Sie sind hier: Startseite » Milieuansatz » Theologie und Milieu » Institution, Organisation und Kirche

Institution, Organisation und Kirche

Kirche als Institution und Organisation und die Mi

Kirche und Kirchengemeinde stehen als Institution und Organisation im Wechselspiel mit den Milieus. Beide Formen sind sozusagen Medium, um mit den Milieus und der Gesellschaft zu kommunizieren.

Ich vertrete folgende These: Kirche muss sich ihrem Auftrag gemäß Milieus zu erschließen suchen. Dazu bedarf sie sowohl institutioneller wie organisationaler Verfassungen und Strukturen. Im Rahmen des Reformprozesses der EKD in Deutschland wird tendenziell die Rolle der Institution zugunsten einer allgemeinen Organisationgestaltung vernachlässigt

Institution und Organisation werden voneinander differenziert. Ich schließe mich hier dem Verständnis nach Heise an (Heise, w. "Das kleine 1x1 der Organisationslehre", Heise 2009, ISBN 978-1-4457-3284-8, vgl. ff. S.13 ff.).

Institution (lat. institutio = Einrichtung, Erziehung, Anleitung) ist in der Soziologie eine mit Handlungsrechten, Handlungspflichten oder normativer Geltung belegte soziale Wirklichkeit, durch die Gruppen und Gemeinschaften nach innen und nach außen hin verbindlich (geltend) wirken oder handeln. Die Institution ist ein System miteinander verknüpfter, formgebundener (formaler, d.h. gesetzlich fixierter, also staatlich sanktionsbewehrter) und formungebundener (informeller, d.h. in der Gesellschaft faktisch akzeptierter) Regeln. Eine Institution hat die Funktion, individuelles – und damit soziales – Verhalten in eine bestimmte Richtung zu steuern. Institutionen sind selbstorganisierende Regeln. Die Institution bringt Ordnung in alltägliche Handlungen und vermindert damit die Unsicherheit von Individuen, was andere Individuen wohl in bestimmten Situationen tun werden7. Beispiele für Institutionen sind jegliche Regeln und Normen, Verfassung, Kartellrecht, Strafrecht, Verträge (allgemein), StVO, DIN-/ISO Norm, Unternehmensleitsätze, Landessprache, Benimmregeln, Sitten und Bräuche.

Dagegen sind Organisationen Gruppen von Personen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen. Das Merkmal der Organisationen ist die formell festgelegte Mitgliedschaft; jedes Mitglied hat sich den spezifischen Regeln der Organisation einzuordnen. Institutionen sind hingegen Regeln, die für eine ganze Gesellschaft gelten: es ist, anders als bei ökonomischen und politischen Organisationen (Unternehmen, Parteien), nicht vorgesehen, dass ein Mitglied aus irgendwelchen Gründen (Profit, politische Opportunität) ausgeschlossen wird. Eine Organisation ist ein bewusst geschaffenes, zielgerichtetes Gebilde, das Gründer und auch ein Gründungsdatum hat. Jede Organisation hat Mitglieder. Für Institutionen gilt generell, dass sie ohne Mitglieder denkbar sind. So lässt sich beispielsweise die Universität einerseits als Organisation und andererseits als Institution beschreiben. Als Organisation ist sie ein soziales Gebilde aus Lehrenden und Lernenden sowie aus Forschern, Verwaltern und anderen Bediensteten, die in einem arbeitsteiligen, planvollen Zusammenspiel miteinander agieren; als Institution ist sie eine gesellschaftliche Einrichtung, die der Vermittlung, Tradierung und Generierung von praktischem und orientierendem Wissen dient.

Dann kann das Wechselspiel wie folgt graphisch veranschaulicht werden:

Als Institution bietet Kirche eine gesamtgesellschaftliche Reflexion; als Organisation (z.B. in der Organisationsform Kirchengemeinde, Diakonie, Funktionspfarramt...) leistet sie die je milieuspezifischen Zuarbeiten.